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Altersarmut ist in Deutschland eine wachsende Herausforderung. Viele Seniorinnen und Senioren sind gezwungen, nach dem Rentenbeginn weiterzuarbeiten, weil ihre Rente nicht zum Leben ausreicht. Besonders Frauen sind von diesem Phänomen betroffen, da ihre Renten oft niedriger ausfallen.
Doch auch Männer, wie der 74-jährige Werner Straube, kämpfen mit ähnlichen Problemen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Ursachen und Auswirkungen von Altersarmut und zeigen auf, wie viele Rentner trotz staatlicher Unterstützung weiterhin auf einen Nebenjob angewiesen sind, um über die Runden zu kommen.
1. Immer mehr Senioren müssen arbeiten
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In Deutschland arbeiten immer mehr Rentnerinnen und Rentner weiter, weil ihre gesetzliche Rente nicht zum Leben ausreicht. Rund 1,3 Millionen Menschen beziehen bereits Rente und sind dennoch erwerbstätig. Viele arbeiten freiwillig, doch viele müssen dies aus finanziellen Gründen tun.
Besonders die Erwerbstätigkeit von Menschen über 70 Jahren ist stark gestiegen. Die zusätzliche Erwerbstätigkeit sorgt für ein wenig mehr Lebensqualität und kann helfen, den finanziellen Engpass zu überwinden. Trotz der Arbeit müssen viele jedoch immer noch sehr genau auf ihre Ausgaben achten.
2. Das Beispiel von Angelika Gerken
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Angelika Gerken, 69 Jahre alt, ist ein typisches Beispiel für eine Rentnerin, die mit ihrer Rente nicht auskommt. Sie bezieht lediglich 913 Euro im Monat und arbeitet deshalb zweimal wöchentlich als Putzfrau und zusätzlich als Alltagsassistentin bei der AWO.
Diese Arbeit ermöglicht es ihr, sich noch ein wenig mehr Lebensqualität zu verschaffen. Mit einem Zuverdienst von 250 Euro und der Grundsicherung kommt sie auf etwa 1.350 Euro monatlich. Trotz des bescheidenen Einkommens freut sie sich über kleine Momente wie einen Becher Eis.
3. Werner Straubes täglicher Arbeitsweg
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Werner Straube, 74 Jahre alt, arbeitet ebenfalls trotz Rente. Als ehemaliger Tankwart bringt er für die Johanniter Menschen zur Tagespflege. Mit einer monatlichen Rente von 905 Euro verdient er zusätzlich bis zu 1.000 Euro durch seinen Teilzeitjob. Straube ist sich der Tatsache bewusst, dass er mit seiner Rente alleine nicht auskommen würde.
Trotz dieses Zubrot-Arbeitsplatzes betont er, dass ihm die Arbeit großen Spaß macht, doch er bedauert, dass er überhaupt arbeiten muss, um über die Runden zu kommen.
4. Die Gründe für das Weiterarbeiten im Alter
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Die Gründe, warum Rentnerinnen und Rentner auch nach Erreichen des Rentenalters weiterhin arbeiten, sind vielfältig. 33 Prozent geben finanzielle Gründe an, während 29 Prozent die „Freude an der Arbeit“ als Motiv nennen. Besonders bei älteren Menschen ist die Rente oftmals nicht ausreichend, um den Lebensstandard zu halten.
So entscheiden sich viele für eine Nebenbeschäftigung, auch wenn diese nicht immer leicht ist. Die Anzahl der Erwerbstätigen über 70 Jahre steigt, was auf den finanziellen Druck und die Notwendigkeit zurückzuführen ist, zusätzliches Geld zu verdienen.
5. Immer mehr Rentner beziehen Sozialhilfe
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Ein besorgniserregender Trend ist die zunehmende Zahl von Rentnern, die zusätzlich zu ihrer Rente Sozialhilfe beziehen müssen. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es fast 720.000 Rentner, ein neuer Höchstwert. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Diese Entwicklung zeigt, wie wenig die gesetzliche Rente vielen Rentnern tatsächlich zum Leben reicht. Auch wenn die Zahl der erwerbstätigen Rentner wächst, ist es klar, dass viele ohne zusätzliche Hilfen nicht auskommen.
6. Gefährdung durch Altersarmut und soziale Isolation
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Altersarmut führt nicht nur zu finanziellen Engpässen, sondern auch zu sozialer Isolation. Menschen, die im Alter nicht mehr genug Geld für Freizeitaktivitäten haben, ziehen sich oft zurück. Dies betrifft vor allem Frauen, die in ihrer Erwerbsbiografie oft geringere Rentenansprüche haben.
Bruno Steinmann von der Arbeiterwohlfahrt weist darauf hin, dass Altersarmut das Risiko für soziale Isolation erhöht. Senioren können sich dann keine Ausflüge mehr leisten, nicht für ihre Enkelkinder einkaufen oder nicht an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen, was die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
7. Politik und Arbeitgeber als Lösungsansatz
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Im Kampf gegen Altersarmut werden auch politische Maßnahmen diskutiert. Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, setzt die Politik auf die Arbeitskraft der älteren Generation und versucht, mit finanziellen Anreizen Rentner dazu zu motivieren, länger zu arbeiten. Allerdings gibt es auch Kritik, insbesondere von Gewerkschaften, die darauf hinweisen, dass niemand dazu gezwungen werden sollte.
Angelika Gerken sieht es als problematisch, dass Rentner weiterhin arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen, und fordert, dass Renten so bemessen werden sollten, dass ein menschenwürdiges Leben möglich ist.