Wenn der richtige Partner ausbleibt: Pech oder unterbewusste Bindungsangst?

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In welcher Ursache liegt die Tatsache begründet, dass eine Person unermüdlich Dates arrangiert und trotzdem nicht den Sprung in die Beziehung schafft? Es ist durchaus möglich, dass es schlicht und einfach Pech ist und schon bald vielleicht der Traumpartner gefunden wird.

Aber es gibt diesbezüglich anderwärtige Faktoren, die das Problem in einem anderen Licht erscheinen lassen. Denn wenn der potenziell mögliche Partner gute Qualitäten bietet und sich ebenfalls die Familienvorstellungen decken und dieser trotzdem aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt wird, so liegt ein inneres Problem bei einem selbst vor: Bindungsangst. Um dies zu erkennen, gilt es auf einige Anhaltspunkte zu achten.

1. Verlangen nach Distanz anstatt intime Nähe

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Ein signifikantes Merkmal für Bindungsangst, ist die Ablehnung von Intimität und Nähe, bzw. das Meiden von Umarmungen als auch das Abweisen von aufrichtigen Komplimenten. In solchen Fällen ist es überaus wichtig, loslassen zu lernen und sich fallen zu lassen, denn eine Beziehung funktioniert nur mit Vertrauen.

Nicht selten steckt hinter solch einem Abwehrmechanismus eine vergangene Verletzung und aus Angst erneut verletzt zu werden, meidet der Betroffene jegliche Art von Intimität, sodass eine innere Verschlossenheit vorherrscht und im schlimmsten Fall emotional kalte Partner angezogen werden.

Diesbezüglich ist es wichtig sich selbst anzunehmen, weil eine Beziehung den Mangel an Selbstvertrauen nicht ausgleichen kann. Damit wird auch Selbstsicherheit an andere ausgestrahlt und steigert die eigene Attraktivität.

2. Es ist von Anbeginn den „falschen“ Partner

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Ist bereits vor dem ersten Treffen ein komisches Bauchgefühl vorhanden, das suggeriert, es ist der falsche Partner? Bei einigen Menschen ist es grundsätzlich der unpassende Partner, unabhängig davon wie dieser sich um die Gunst bemüht, sodass es wichtig ist die Bindungsangst dahinter zu erkennen, um zur richtigen Zeit den Partner annehmen zu können.

Die Problematik kann bis hin zur Kindheit reichen, denn die Art, wie Erziehungsberechtigte, bzw. Eltern mit uns kommunizieren und umgehen, wirkt sich gewissermaßen auf die Beziehung aus. Unter Umständen ist es sinnvoll die Vergangenheit zu reflektieren und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, wie zum Beispiel in Form einer Therapie, um wieder Mut für eine Beziehung zu fassen.

3. Ein innerer Drang nach Dramatik zerstört die Beziehung

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Häufig ist ein guter Start der Beziehung zu vernehmen, bis es blitzartig zu einem Wechsel kommt und die Beziehung schließlich ebenso schnell zu Ende geht, wie sie begonnen hat.

Gibt es Kindheitstraumata oder andere schwerwiegende Erlebnisse, die sich im Unterbewusstsein eingeprägt haben, so werden diese auf zukünftige Beziehungen hineinprojiziert, sodass vergangene Erlebnisse sich in der aktuellen Beziehung auf eine negative Weise widerspiegeln. Es kommt auch zu sogenannten selbsterfüllenden Prophezeiungen, indem die Beziehung von Beginn an als zum Scheitern verurteilt angesehen wird.

Sollte dies der Fall sein, empfiehlt sich eine Therapie, denn je nach Vergangenheit, kann es komplexe Zusammenhänge geben, die nur schwer selbst zu erkennen sind.

4. Emotionale Instabilität als Hindernis für eine Beziehung

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Leidet der Partner zunehmend an den plötzlichen Wutausbrüchen oder den häufigen emotionalen Instabilitäten? Selbstverständlich sollten Lebenspartner füreinander einstehen und sich gegenseitig helfen, aber auch dies nur in einem Maß, dass die eigene Gesundheit nicht in Gefahr bringt.

Wenn ein Partner emotional geladen ist und Emotionen nicht adäquat kanalisieren kann und diese am Partner auslässt, so lässt sich nur sehr schwer eine glückliche Beziehung aufrechterhalten. In solch einer Beziehung leiden letztlich beide Partner, weshalb es wichtig ist an den eigenen emotionalen Kompetenzen zu arbeiten, um mehr Stabilität in die Beziehung zu bringen. Anderenfalls wird die Beziehung auf kurz oder lang Schaden nehmen.

5. Unerwartetes Fluchtverhalten bei Annäherungsversuchen

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Ist der Traumpartner endlich gefunden und die Vorfreude groß und wird trotzdem die Flucht ergriffen? Manchmal ist die Sehnsucht nach Nähe selbst vorhanden, aber sobald es zu Vertrautheit kommt, wird unerklärlicherweise die Flucht ergriffen. Grundsätzlich besteht kein Grund zur Sorge, weil jegliches Verhalten nicht in uns eingemeißelt ist und wir uns verbessern können.

Die Hintergründe für das Fluchtverhalten können höchst individuell sein, aber es gibt Möglichkeiten das Verhalten abzutrainieren. Einige Verhaltensweisen sind Spuren der Vergangenheit und haben sich als Automatismus ins Unterbewusstsein manifestiert. Doch Verhalten lässt sich mit ein wenig Übung abtrainieren, bzw. umpolen, sodass in Zukunft diese Vorgänge durch neue Verhaltensmuster ersetzt werden, damit einer glücklichen Partnerschaft nichts mehr im Wege steht.

6. Beziehungsstatus offen lassen

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Eine eher dezente Art von Bindungsangst ist es sich nicht auszusprechen über den aktuellen Beziehungsstatus. Menschen mit Bindungsangst lassen die „Beziehung“ schleifen und möchten keine Verbindlichkeiten eingehen, indem sie jederzeit das Gefühl haben, sie können aus der Beziehung gehen, weil keine offizielle Beziehung vereinbart wurde.

Doch diese Art der scheinbaren Beziehung hat kein Fundament und eine Zukunft lässt sich nicht auf Unklarheiten aufbauen, weshalb es von Relevanz ist, klare Grenzen zu ziehen und einen Zeitpunkt auszumachen, ab welchen deutlich hervorgeht, dass jetzt eine Beziehung geführt wird. Eine Beziehung ohne Fundament ist somit verlorene Zeit und es ist zudem unfair gegenüber dem Partner, der selbst keinen Stellenwert hat.

7. Der Drang nach Alleinsein überschattet die Beziehung

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Zu einer gesunden Beziehung gehört sicherlich der nötige Abstand, um sich auch selbst Zeit widmen zu können, doch wenn dieser Drang nach Alleinsein überhandnimmt, wird es sich kontraproduktiv auf die Partnerschaft auswirken. Auch wenn es nicht so offensichtlich ist, wie bei einem Fluchtverhalten, der bereits thematisiert wurde, so ist es nicht weniger schädlich.

Eine Partnerschaft erfordert Zeit, um funktionieren zu können. Wenn diese nicht in die Beziehung ausreichend investiert wird, kommt es zur gegenseitigen Entfremdung bis hin zur Trennung. Infolge dessen ist es unumgänglich, sich Zeit zu nehmen und sich zu überwinden. Das Alleinsein überkommt oft Menschen, die Schwierigkeiten haben anderen zu vertrauen, meist stammt diese Angst von verletzenden Erfahrungen.

8. Mangel an Selbstakzeptanz

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Um ein Verhältnis zu einem anderen Menschen aufbauen zu können, ist es fundamental sich selbst zu akzeptieren. Denn Liebe zu anderen ist nur möglich, wenn die Liebe zu einem selbst ebenso ausgeprägt ist und eine Beziehung führt ins bodenlose, wenn die Eigenliebe zu kurz kommt.

Somit ist eine gesunde Portion Selbstvertrauen und ein gesundes Maß an Selbstliebe eine gute Voraussetzung für eine funktionierende Partnerschaft, denn der Partner kann und sollte nicht die fehlende Eigenliebe kompensieren, weil hierdurch gewissermaßen auch Abhängigkeit entsteht und dies ist wiederum kein Anzeichen für eine gesunde Beziehung. Eine Abhängigkeitsbeziehung ist meist zum Scheitern verurteilt, da es so kein ausgewogenes Zusammenspiel ist.

9. Co-Abhängigkeit in Beziehungen

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Eine weitere Form, die auch eine intime Bindung verhindert, ist die sogenannte Co-Abhängigkeit. Häufig ist dies der Fall, wenn ein Elternteil der Familie abhängig von bestimmten Suchtmitteln war. Infolge dessen werden Partner gesucht, die emotional distanziert und hilfsbedürftig sind. Durch das Helfersyndrom des Co-Abhängigen wird versucht dem Partner zu helfen, wobei eine Beziehung grundsätzlich auf Augenhöhe erfolgen sollte.

Deshalb ist es wichtig die eigenen Verhaltensmuster zu reflektieren, um zu schauen, inwieweit Partner angezogen werden, die unselbstständig sind und nicht bereit sind sich in einer Partnerschaft zu binden. Sie haben so ein hohes Helfersyndrom, dass sie sich voll und ganz vernachlässigen würden, damit es dem Partner ein wenig besser geht.